Das erste Jahrzehnt
Nach 1963 gewinnt die Bewegung der AA in der Deutschschweiz zunehmend an Dynamik, und die Jahre des schnellen Aufbaus folgen. Neue Gruppen werden allerorten gegründet, eine Informationsveranstaltung in Zürich 1964 zieht mehr als 500 Teilnehmer an, die erste Gruppe für Angehörige von Alkoholikern (AI-Anon) entsteht in Basel (1964), eine deutschschweizerische AA-Zeitschrift „Irgendwo AA„ erscheint bereits 1965, eine AA-Kontaktstelle für die Deutschschweiz wird etabliert (1966) und hält sich von 1967 bis Ende der 70er Jahre in Walzenhausen. Diese Kontaktstelle dient sowohl als Anlaufstelle für Alkoholiker als auch als wichtige Organisationsbasis für die weitere Entwicklung der AA. Schliesslich wird in den 60er Jahren auch noch die erste Struktur mit sechs Regionen geschaffen, die 1969 formalisiert wird. Insgesamt lässt sich sagen, dass sich die Etablierung der deutschschweizerischen AA vom Zeitpunkt der ersten Versuche der Gruppe „Nüchtern„ bis zur Schaffung der bis heute gültigen formalen Struktur sehr schnell vollzogen hat. Diese Aussage gilt auch im Vergleich mit den anderen deutschsprachigen AA-Organisationen. Was machte die AA so attraktiv im Spektrum der Hilfs- und Heilangebote für Alkoholiker in der Deutschschweiz der damaligen Zeit? Zunächst lässt sich sagen, dass die AA Alkoholiker ansprachen, die sich durch die traditionellen Verbände wie das Blaue Kreuz nicht mehr angesprochen fühlen: Frauen, jüngere Alkoholiker und Einwohner der Städte und Stadtrandgebiete. Eine Frau war bereits bei der ersten Gruppengründung zugegen, 1970 waren durchschnittlich bereits 23% Frauen in den schweizerischen AA , und dieser Anteil stieg in der Folgezeit auf zirka 40% , ungefähr dem heutigen Anteil.
