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Alle antwortenden Gruppen waren bei der Kontaktstelle in Zürich auch offiziell gemeldet. Gruppen für spezifische Personengruppen wie sie in den USA und in anderen Ländern sehr häufig anzutreffen sind (z.B.. für homosexuelle Alkoholiker oder spezifisch für Alkoholikerinnen), gibt es in der Schweiz nur in Ausnahmen. Diese Ausnahmen betreffen fremdsprachige Gruppen (eine italienisch- und mehrere englischsprachige Gruppen) sowie eine Beschränkung von einigen AA-Gruppen auf Nichtraucher. Das Fehlen von Gruppen in der deutschsprachigen Schweiz für spezifische Personenkreise wie Frauen, Männer, männliche- oder weibliche Homosexuelle oder für bestimmte Altersgruppen ist soziologisch interessant, insbesondere da dieses Fehlen von seiten der AA bislang nicht als Nachteil empfunden wird (in den deutschschweizerischen AA-Gruppen wird dieses Thema im Gegensatz beispielsweise zu den deutschen AA wenig diskutiert). Dies weist darauf hin, dass in der Schweiz - im Gegensatz zu anderen Ländern, die AA ihre Identität als Alkoholiker in den Mittelpunkt stellen und für wichtiger halten als andere mögliche gemeinsame Charakteristika wie Homosexualität oder Zugehörigkeit zu einer gewissen Altersgruppe. Insgesamt kann also eine geringe Tendenz zur Differenzierung der deutschschweizerischen AA konstatiert werden.
Alle deutschschweizerischen AA fühlen sich in erster Linie als Alkoholiker und diese Identifikation ist einziger oder zumindest wichtigster Grund für die Mitgliedschaft in den AA. Die Ursachen für diesen Sachverhalt sind nicht eindeutig zu orten. Zum einen könnten die geringe Größe der deutschschweizerischen AA eine Rolle spielen, zum anderen das relativ geringe Wachstum in den letzten Jahren und damit verbunden ein gewisser Traditionalismus. Die Geschlechterverteilung innerhalb der deutschschweizerischen AA ist - d.h.. im Vergleich mit anderen Ländern - relativ ausgeglichen. Von den durchschnittlich 13 Personen in einer Gruppe (Mittelwert M von 12.6 mit einer Standardabweichung S von 5.2 und einer Streubreite SB zwischen 4 und 25 Personen) sind statistisch gesehen ca. 40% Frauen (M 5.1; S 3.2; SB 0-15) und ca. 60% Männer (M 7.6, S 2.9 SB 2-12). Die hohen Streubreiten und Varianten deuten auf beträchtliche Unterschiede zwischen den Gruppen hin, die z.T.. auch auf regionale Unterschiede zurückzuführen sind. So sind in der Region Zürich 45% der AA-Mitglieder Frauen, während in der Region Innerschweiz der Frauenanteil nur 29% beträgt.
Erstaunlich ist die Tatsache, dass die deutschschweizerische AA trotz aller Variation von allen Ländern der „International Collaborative Study on AA„ einer der höchsten Frauenanteile aufweist (diese Aussage gilt noch mehr für den französisch- und italienischsprachigen Teil der Schweiz, wo der Frauenanteil die Hälfte ausmacht). Die entsprechenden Frauenanteile in den anderen Ländern belaufen sich auf 10% in Mexiko, 19% in Polen, 24% in Finnland, 29% in Island, 30% in Schweden, 34% in den USA sowie 44% in Österreich (ICSAA 1992). Die Ursache für den hohen Frauenanteil in der schweizerischen AA sollte genauer untersucht werden, insbesondere da allgemein die Rolle der Frau in der Schweiz im Vergleich zu den anderen genannten Ländern sicher nicht durch hohe Emanzipation geprägt ist. Weiterhin ist auch der Anteil der Frauen im spezialisierten Behandlungssystem für Alkoholabhängige in der Deutschschweiz mit 27.7°%ö wesentlich niedriger als der weibliche Anteil in AA-Gruppen.
1. Die Gründung I
2. Die Gründung II
3. Das erste Jahrzehnt
4. Die weitere Entwicklung
5. Stichprobe und Methode
7. Die Altersstruktur
8. Ämter innerhalb der AA-Gruppen
9. Treffen als wichtigste Aktivität einer AA-Gruppe