Treffen als wichtigste Aktivität einer AA-Gruppe
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Nachdem nun einige Charakteristiken zu deutschschweizerischen AA dargestellt worden sind, soll versucht werden, sich dem wichtigsten Teil der AA-Aktivitäten, dem Gruppenreffen zu nähern. Dabei unterscheidet man zwischen offenen und geschlossenen Treffen, wobei die Mehrzahl der Treffen geschlossen und somit Alkoholikern vorbehalten sind. Offene Treffen dienen als Informationsveranstaltungen für die Allgemeinheit, insbesondere für noch „nasse Alkoholiker„.
Üblicherweise trifft sich jede AA-Gruppe einmal pro Woche zu einem geschlossenen Treffen. Die Treffen finden nie in Privatwohnungen statt, sondern in kircheneigenen Räumen (22%), Lokalen und Restaurants (24%) - (auch dies eine Besonderheit der Schweiz)Gemeindeeinrichtungen (8%), Altersheimen (8%) oder in den Räumen der Kontaktstelle in Zürich (9%).Eine weitere Besonderheit sind die Klinikgruppen, die - oft im Rahmen der Therapie oder als Teil der Nachsorge - sich in den Räumen der Klinik treffen (12%; die Prozentzahlen sind eigenen Auswertungen auf Grundlage der Broschüre „Kontakt„ von 1990). Ein AA-Treffen beginnt immer mit dem Verlesen der AA-Präambel, die besagt, dass die AA eine Gemeinschaft von Männern und Frauen ist, die miteinander ihre Erfahrung, Kraft und Hoffnung teilen, um sich selber und anderen dabei zu helfen, nüchtern zu werden.
Danach beginnt das eigentliche Meeting, das üblicherweise unter einem Thema steht (z.B.. einer der Schritte oder „Rückfall„). Alle TeilnehmerInnen können zum Thema etwas beitragen oder schweigen. Bei jeder Wortmeldung stellt sich ein Teilnehmer/eine Teilnehmerin mit Vornamen sowie dem Zusatz vor, dass er/sie Alkoholikerln sei.
Während des Treffens gelten einige implizite Regeln der Kommunikation, z.B.. dass der andere nicht unterbrochen werden darf, dass man ausschliesslich über eigene Erfahrungen berichten soll, oder dass andere nicht kritisiert werden dürfen.
Es wird fast immer Tee, Kaffee und/oder Mineralwasser ausgeschenkt. In den meisten Gruppen darf geraucht werden, und die Mehrzahl der deutschschweizerischen AA machen von dieser Gelegenheit auch Gebrauch. Weiterhin wird eine Kasse/ein Hut herumgereicht, in die/den alle einen (freiwilligen) Beitrag geben.
Am Ende eines Treffens, das üblicherweise zwischen eineinhalb und zwei Stunden dauert, steht dann das gemeinsame Aussprechen des Gelassenheitsspruchs („Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden„), bei dem in den allermeisten Fällen die Hände der Nachbarn gehalten werden.Zusätzlich zu den AA-Meetings treffen sich viele Gruppenmitglieder auch privat, z.B. zum Kaffee trinken oder zu anderen Aktivitäten. So wird ein soziales Netzwerk von Gleichgesinnten aufgebaut, das auch bzw.. gerade dann hält, wenn ein Rückfall droht. Für Rückfälle und andere Probleme werden Telefondienste rund um die Uhr Organsiert.
Besonderheiten der deutschschweizerischen AA - Versuch einer Zusammenfassung Im letzen Teil dieser Übersicht soll auf die Besonderheiten der deutschschweizerischen AA eingegangen werden. Weiter oben wurde ja bereits über einen gewissen Traditionalismus gesprochen in dem Sinn, dass die schweizerischen AA aus relativ vielen „Oldtimer„ bestehen, d.h.. also aus Mitgliedern, die schon relativ lange dabei sind. Dazu passt auch, dass die AA viele traditionelle Grundsätze eng auslegen. Als ein Beispiel sei hier genannt, dass das Prinzip der Offenheit gegenüber allen Alkoholikern so gedeutet wird, dass keine AA-Gruppe exklusiv auf spezifische Personen beschränkt sein darf. Auch wird die Anonymität in der Deutschschweiz sicherlich stärker respektiert als in anderen Ländern, insbesondere den USA. So wären hier Aufkleber oder Anstecknadeln mit der Aufschrift „I am a friend of Bill W.„ ebenso unmöglich wie ein öffentliches Bekenntnis von Prominenten, den AA anzugehören. Wenn die deutschschweizerischen AA mit den AA in den französisch- und italienischsprachigen Teilen der Schweiz verglichen werden, fällt weiterhin auf, dass strukturelle Aspekte weit stärker betont werden. Auch hier kann man in gewisser Weise von einem Festhalten an traditionellen Strukturen und Organisationsformen sprechen, so wie sie formal im „AA Service Manual„ festgelegt sind (AA 1988).
In der französisch- italienischsprachigen Schweiz lässt sich demgegenüber das Phänomen beobachten, dass einzelne Personen, oft Gründungsväter einzelner AA-Gruppen, wesentlich mehr Einfluss ausüben, als dies formal-strukturell der Fall sein dürfte. Allerdings sind auch die Strukturen in der AA-Organisation dieses Teils der Schweiz so beschaffen, dass weniger Basiskontrolle möglich ist. Als Beispiels sei hier nur genannt, dass die allgemeine Versammlung aller GruppensprecherInnen, das wichtigste Beschlussfassungsorgan in den AA, in der Romandie nur einmal im Jahr tagt, in der Deutschschweiz jedoch mindestens zweimal. Es wurde versucht, diesen Einfluss der sog. „grauen Eminenzen„ als allgemeine Charakteristik von Organisation und Führungsrollendefinition in romanischen Ländern zu erklären. Eine solche allgemeine soziologische Untersuchung wäre sicher interessant, kann an dieser Stelle in einer Abhandlung über die deutschschweizerischen AA aber nicht geleistet werden. Das Festhalten an traditionellen Werten der AA führt insgesamt dazu, dass die deutschschweizerischen AA eine sehr basisdemokratische Organisation sind. Die ursprünglichen Werte und Traditionen der AA kommen aus einer kleinen Gemeinschaft Gleichgesinnter mit explizit basisdemokratischem Anspruch. Als letzte Eigenart der deutschschweizerischen AA soll ihr innerer Zusammenhalt genannt werden. Eine solche Charakteristik ist schwer wissenschaftlich zu fassen. Aber beim Besuch des gemeinsamen Treffens aller deutschsprachigen AA beispielsweise, beim Studieren von „Irgendwo AA„ oder beim Besuch von Organisationstreffen fällt ein fast familiärer Ton des Umgangs mit der Problembewältigung auf Dies liegt sicherlich zum einen wiederum an der relativ geringen Grösse, die dazu führt, dass viele Funktionsträgerinnen einander kennen. Zum anderen dürfte auch hier das relativ geringe Wachstum eine Rolle gespielt haben. Insgesamt haben diese Entwicklungen unseren Beobachtungen nach zu einer Organisation geführt, die in vielen Entscheidungsgremien familiären Umgangston führt und dann - vielleicht weniger typisch für Familien - meist konsensual entscheidet.
1. Die Gründung I
2. Die Gründung II
3. Das erste Jahrzehnt
4. Die weitere Entwicklung
5. Stichprobe und Methode
6. Ergebnisse
7. Die Altersstruktur
8. Ämter innerhalb der AA-Gruppen